WARUM ÖFFENTLICH SCHREIBEN?

Öffentliches Schreiben – Schreiben in der Öffentlichkeit

Öffentliches Schreiben stellt den Prozess in den Vordergrund, nicht das Ergebnis: Das Ringen um Formulierungen. Das Feilen an Sätzen, bis es so ist, wie es sein soll. So klingt, dass es dem Ohr und der Geschichte schmeichelt. Es handelt vom Löschen von ganzen Sätzen, manchmal von ganzen Kapiteln. Vom einfach nur Dasitzen, weil einem gerade nichts einfällt. Aber auch von dem die Welt drumherum Vergessen, weil man einen Flow hat.

Öffentliches Schreiben gibt dem/der AutorIn eine Bühne. Dort, wo sonst MusikerInnen, SchauspielerInnen, ArtistInnen und andere KünstlerInnen stehen und ihre Arbeit präsentieren, präsentiert sich nun auch der/die AutorIn. Es hebt das Schreiben aus dem Verborgenen des stillen Kämmerleins ins Licht der Öffentlichkeit.

Öffentliches Schreiben räumt auf mit dem Vorurteil, dass der kreative Prozess vorrangig aus der Ruhe heraus geschieht. Geräusche, Musik, Gespräche in direkter oder indirekter Form schwirren durch die Luft. Lenken ab. Inspirieren gleichzeitig. Es lässt den/die ZuschauerIn teilhaben am kreativen Prozess. Man kann ihn durch eine Frage oder eine Anmerkung oder eine Diskussion als ZuschauerIn sogar unter Umständen beeinflussen.

Öffentliches Schreiben ergänzt das Angebot der Kunst in der Öffentlichkeit, die sich häufig in Skulpturen, Bauwerken, Festivals und Straßenkunst ausdrückt, um eine weitere Komponente. Holt die Kunst mitten unter uns, lässt sie erlebbar werden. Nicht als fertiges Produkt, sondern als Weg voller Gedanken, Zweifel und erhellenden Momenten.

Schließlich präsentiert Öffentliches Schreiben den/die gläserne KünstlerIn. Den/die man in seiner Kunst beobachten kann. Den/die man kritisieren kann. Zu einer Formulierung beglückwünschen kann. Mit einer Frage konfrontieren kann. Der/die sich angreifbar macht. Im wahrsten Sinne des Wortes begreifbar ist. Diskutiert. Einen Kaffee trinkt. Sich umschaut. Mal streckt. Sich konzentriert. Gähnt. Auch mal den Platz verlässt. Wie gebannt die Tasten bedient. Vielleicht kurz etwas recherchiert. Der/die eben all das zeigt, was dazugehört, um einen Roman zu verfassen.

Öffentliches Schreiben stellt somit Bilder auf den Kopf, die – wenn wir an AutorInnen denken – in unseren Köpfen sind. Und trägt vielleicht damit dazu bei, dass wir nicht nur diese Bilder überdenken, sondern grundsätzlich die Dinge in Frage stellen, von denen wir ausgehen, dass sie eben so sind, wie sie sind. Denn das ist gar nicht so häufig der Fall, wie wir denken . . .


DAS PROJEKT